Freitag, 17. Februar 2012

12 Luft wie Wasser j



Noch immer ist Kermit betäubt von dem Erlebnis mit den Flugzeugen. Doch nach und nach bemerkt er, wo er sich jetzt befindet. Er erkennt den Ort aufgrund seiner bewegten Oberfläche und des lichten Kiefernwaldes. Es ist ein Erdrutschgebiet im Bündnerischen. Eine Landschaft, die dieser gleicht, findet man sonst nicht in diesem Land. Die Gletscher verschiedener Eiszeiten haben alles geglättet. Der lichte Wald schafft eine Atmosphäre des Schutzes und beschränkt doch nicht die Bewegungsfreiheit.
Als Kermit sich versichert hat, dass er sich tatsächlich in diesem wilden, fast futuristisch anmutenden Gebiet befindet, geht er auf Entdeckung. Erleichtert stellt er dabei das Fehlen feindlicher Gefühle fest. Schon bald bemerkt er, dass er nicht alleine in diesem Wald ist. Nicht weit entfernt stößt er auf einen Pavillon. Das Dach ist flach zugespitzt, die Wände sind rundum verglast. Kermit ist neugierig, welchem Zweck dieser schöne Pavillon mitten im hellen Wald wohl dienen mag. Eintretend trifft er auf einen Mann, der seinem früheren Lehrer ähnelt und auf Andrin, seinen besten Freund. Abgesprochen war es nicht. Purer Zufall. Aber ein Zufall, wie man ihn sich wünscht.
Als er den Raum betritt, spürt er, dass das Raumklima von dieser besonderen Art ist, wie über dem Atlantik, es vereint auch hier die Eigenschaften von Luft und Wasser. Sein Lehrer scheint um einen ganzen Kopf gewachsen. Normalerweise sind die Lehrer doch kleiner, wenn man sie nach langer Zeit wiedersieht. In diesem Fall ist es genau umgekehrt. Und noch etwas erstaunt. Er kommt ihm näher und verfolgt neugierig, wie Kermit sich verhält. Nicht als Pauker begegnet er ihm, sondern er sucht seine Kameradschaft. Während Andrin still in der Ecke bleibt und ihre Begegnung mit seiner Anwesenheit wärmt.
Die sonderbare Raumdichte verführt Kermit zu hopsen. Seine Schuhe fühlen sich an wie vollelastischer Gummi. Kniehoch springt er und kommt sanft wieder runter und federt erneut hoch. Spielend hüpft er durch den Raum, ohne Anstrengung. Schuldbewusst schaut er zu den beiden. Aber sie sind nicht befremdet. Im Gegenteil, sie schauen ihm interessiert zu. Das ermutigt ihn weiter zu machen. Den Impuls, sich im Salto zu überschlagen, unterdrückt er. Aber er dreht sich im Hochspringen in die Horizontale und im Fallen wieder in die Vertikale. Als er bei der Glaswand anlangt, stößt er sich hochspringend von ihr ab und dringt bis in die Mitte des Raumes vor, ohne an Höhe zu verlieren. MLF

Was ist denn das für ein Schluss, fragte ich Mili. Doch sie machte keine Anstalten, die Geschichte abzurunden. Im Gegenteil, sie drehte sich um und zog sich die Decke über den Kopf.
Am nächsten Tag blieb mir nichts anderes übrig, als die Geschichte selber abzuschließen:
Als Kermit sich horizontal durch den Raum bewegt, winkt Andrin dem Lehrer und ihm.
„Genug gespielt, setzt euch“, ruft er und schenkt jedem von ihnen eine Tasse Tee ein. Kermit gehorcht und setzt sich zu Andrin auf die Bank. Der Lehrer nimmt auf dem Stuhl gegenüber Platz.
„Ihr glaubt nicht, wie anders ich dieses gleiche Medium vor ein paar Stunden erst erlebt habe“, sagt er. „Es hat mich völlig aggressiv gemacht.“ Und Kermit erzählt ihnen die ganze Geschichte, wie erst andere die Fremden attackiert haben und wie er dann selbst losgezogen ist. Und wie ihn seine Fantasien fast in den Wahnsinn getrieben haben. Er endet mit der Frage. „Wie kann es nur sein, dass die selbe Luft hier so anders auf mich wirkt?“
Der Lehrer macht eine Gebärde, als wollte er etwas umfangen. „Dieses Medium braucht einen schützenden Raum“, sagt er und fügt hinzu. „Darauf haben wir uns hier im Bündner spezialisiert.“
Erst jetzt findet Andrin Gelegenheit ihm den Mann an seiner Seite vorzustellen.
„Darf ich dich mit meinem Bündner Coach bekannt machen?“
Der Mann schaut Kermit tief in die Augen. Erst jetzt bemerkt er, dass die Ähnlichkeit zu seinem früheren Lehrer nur eine oberflächliche ist.
„Er wird dich gerne auf deinen weiteren Reisen begleiten. Du wirst sehen, dass sie ganz anders verlaufen werden.“
Der Bündner Coach bekräftigt das Angebot mit einem durchdringenden Blick. AS

Donnerstag, 16. Februar 2012

12 Luft wie Wasser i

Manchmal reißt mich ihre Liebe in einen tiefen Abgrund und versetzt mich in panische Ängste. Früher bin ich dann aus dem Bett gesprungen und habe sie damit vertrieben. Inzwischen nehme ich dies viel gelassener. Auch wenn sie mich dem fernsten Winkel aussetzt, weiß ich, ich werde umkehren und vielleicht noch im Ausklang etwas Erfüllendes erleben.
Heute war es so. Ich fürchtete mich in sie einzudringen. Doch am Schluss schwebte ich auf Wolken der Lust.
So ähnlich war auch die Geschichte geteilt, die sie mir erzählte. AS

Mit großer Macht holen ihn Ängste ein und katapultieren ihn an einen Ort über dem Meer auf der anderen Seite des Atlantiks. Also irgendwo vor der Küste der USA oder Kanadas. Wenn man den Schwerpunkt des atlantischen Bündnisses errechnen wollte, so befände er sich vielleicht genau dort. Er steckt in einem Flugzeug, das sich nicht bewegt, es ruht. Die Luft hat die Eigenschaft von Wasser.
Es nahen andere Flugzeuge vom Osten her. Kermit vermutet, von Russland oder vom Orient oder gar von Südostasien her, jedenfalls von einem fremden Ort, den er nicht kennt. Die Flugzeuge halten nicht weit von dem ihren und rasten ebenfalls.
Ohne dass er recht weiß wieso, empfindet er diese fremden Flugzeuge als Bedrohung. Für ihn sind sie Eindringlinge, die sich ungefragt an den Ort begeben haben, an dem sie zuerst waren. Er stellt sich vor, wie jemand aus dem Flugzeug, in dem er ist, aussteigt und eines der anderen Flugzeuge attackiert. Obwohl es ihm peinlich ist, kann er nicht anders, immer wieder überkommt ihn die Vorstellung, wie jemand aussteigt und die andern Flugzeuge zerstört. Er fragt sich sogar, woran das liegen könnte, dass er solche Aggressionen empfindet. Ob es an dem fremdartigen Medium liegt, einer Luft die sich im Zustand von Wasser befindet.
Er ertappt sich dabei, wie er nun selber das Flugzeug verlässt. Mit einer Handgranate bewaffnet schwimmt er zum nächsten der Flugzeuge, klebt diese mit einem schnellheftenden Band an den grauen Flugzeugkörper, zieht die Schnur und schwimmt schnell weg. Erst die Druckwelle der Detonation schreckt ihn aus seiner zerstörerischen Fantasie auf.
Und wieder fragt er sich, was habe ich gegen diese Flugzeuge? Wenn ich sie angreife, werden sie sich wehren. Sie werden auf mich schießen, wenn ich mich annähere. Sie werden ihrerseits versuchen, unser Flugzeug zu sprengen. Doch kaum dass er seiner Fantasie die Zügel lässt, beginnt das Angriffsspiel von neuem. Alle vier Flugzeuge hat er schon mehrfach in die Luft gesprengt.
Bei einer der Detonationen sind im Gewirbel der Flugzeugteile auch Blätter. Eines kriegt er zu fassen. Darauf steht die Geschichte von einem, der aus seinem Flugzeug steigt, zum nächstgelegenen Flugzeug schwimmt, daran eine Bombe befestigt, den Zünder zieht und mitten in der Explosion ein Blatt entdeckt, in dem …
Mit einem fürchterlichen Schrei landet er auf dem Boden einer fremdartigen Landschaft. Er wirft sich ins feuchte Moos, um den von den Aggressionen erhitzten Körper zu kühlen.  MLF

Mittwoch, 15. Februar 2012

11 Schwarz Beflügelte


Als Mili neben mir lag, machte sie eine ihrer vieldeutigen Bemerkungen, über die man sich Stunden und Tage den Kopf zerbrechen konnte.
"Endlich mal richtig. Vierzig Jahre..."
"Vierzig Jahre lang falsch gemacht", ergänzte ich, ihrem Tonfall entsprechend.
Von ihr kam keine Antwort.
Tja, was denkt man sich bei so einem Satz? Alleine für sich, sagt er ja nichts aus. Aber da ich sie ein bisschen zumindest kannte, vermutete ich, dass es einmal mehr um das Thema, 'hombsch oder nicht hombsch‘ ging. Das hinderte sie aber nicht daran, mich an sich zu ziehen und sich mit mir zu vereinen.
Darauf ließ sie mich die folgende Geschichte hören. AS

Zu ihrem Fest in der Stadt hatten die Hombschen (Schwulen) einen Tisch an den anderen über die Flussbrücke gereiht. So viele waren sie inzwischen, die offen lebten, dass es leicht war, alle Plätze zu füllen. Für Lothar, der spät kam, blieb nur ein Platz am Quai, wo man ein paar zusätzliche Tische hingestellt hatte. Während auf der Brücke schon lange festlich getafelt wurde, war sein Tisch noch immer leer. Als er bemerkte, dass man ihn vergessen hatte, ging er zur Brücke. Es gab Äpfel im Schlafrock und es waren genug davon da. Aber niemand kam auf die Idee, ihn zu fragen, ob er einen möchte. Und er selber war zu schüchtern, um sich selbst zu bedienen.
Da kam Manfred, ein Bekannter von ihm vorbei. Der schien seine Enttäuschung zu erraten, denn er forderte Lothar auf, ihn zu begleiten.
„Was willst du hier? Da gehörst du doch nicht dazu. Ich weiß dir einen besseren Ort, wenn du Sex haben willst.“
Aus Enttäuschung ging Lothar mit. Er hatte kein gutes Gefühl dabei. Der Bekannte war ziemlich skrupellos, wenn es darum ging, seine Sinnlichkeit auszuleben.

Manfred führte ihn zu einem Bahndamm, hinter dem sich ein schroffer Hügelzug erhob. An dessen Hang wucherten die Häuser eines heruntergekommenen Viertels. An der Böschung des Damms standen auf einem Absatz mehrere Prostituierte. Eine von ihnen öffnete ganz unverblümt ihre Bluse und präsentierte ihre prallen Brüste. Lothar war selbst überrascht, wie unbeteiligt er darauf starrte, als handelte es sich um zwei Nähkissen aus fleischfarbenem Trikot. Anscheinend hatte die Verwandlung, die er schon länger spürte, endgültig vollzogen. Er sprach nicht mehr auf ihre Reize an. Nach dieser Entdeckung hätte er eigentlich gehen müssen. Doch er blieb.
Seitlich, dem Damm entlang, war in einem Tunnel eine Kneipe, aus der grölende Stimmen von Besoffenen herschallten. Da hörte er Flügelschläge. Genau genommen hatte er sie schon seit der Ankunft beim Damm vernommen, aber erst jetzt realisierte er, wo das Geräusch herkam und schaute nach oben. Da sah er auf dem Hügelkamm, im Gegenlicht des gelben Abendhimmels, Beflügelte in schwarzen Ausrüstungen wie riesige Vögel umherflattern. Von ihnen kam das schwingende Geräusch. Ah, die schwarzen Gestalten kenne ich, erinnerte er sich. Eine neue Form zu demonstrieren. Wenn sie etwas nicht gutheißen, gehen sie nicht mehr auf die Straße zur Gegendemo, sondern belauern den Ort von oben in ihrem schwarzen Outfit. Das machte echt Eindruck, vor allem das Geräusch und die Schattenwirkung.
Statt zum Fest der Hombschen zurück zu kehren oder nach Hause zu gehen, setzte sich Lothar neben Manfred ins trockene Gras der Böschung. Ihm schien, es werde immer dunkler. Da sah er, wie die Beflügelten einen Vorhang bildeten von ganz oben herab bis auf die Gebäude ihnen gegenüber. Sie waren lückenlos verkettet über- und nebeneinander – Menschen wie du und ich, die sich die Zeit nahmen für dieses Engagement. Er sah wie die in der untersten Reihe ihre Arme ausschüttelten, weil sie vom Hochstrecken erschlafft waren. Wie machen das die oberen, fragte er sich, die konnten ja nicht einfach loslassen. Bei näherem Hinschauen bemerkte er, dass zusätzlich zwei Gummibänder mit Haken bei jedem Beflügelten für die Verbindung nach oben sorgten. Das Ganze wie ein riesiger gewölbter Vorhang. Die Stimmung erinnerte an eine Sonnenfinsternis. Dann schwangen sie ihre Flügel und weg waren sie.
Manfred wollte ihn überreden mit in den Tunnel zu kommen. Aber er entschloss sich anders. MLF

Dienstag, 14. Februar 2012

10 Wie in einem Roman von ... j


Er hatte plötzlich den Eindruck, sie befänden sich in einem Roman von H. Mukamari, diesem Künstler, bei dem man nie wusste, ob das, was man las, real war oder nicht. Er erinnerte sich, dass in dem Roman ein Verbrechen geschah. Dieser Junge wird das Mädchen umbringen, glaubte  er und erschrak gleichzeitig ob seinen Gedanken. Es war wirklich ein saublödes Gefühl.
Der Junge schien jedoch ganz unbekümmert und wies auf den zweiten Wohnblock in der Kette der Wohnfabrik hin. "Da bin ich untergebracht", sagte er freimütig, "und ab und zu darf ich zu meiner Familie."
Aha, dachte Jasmus, er ist also dort untergebracht. Ein Verbannter. Wie er selber ja eigentlich auch. "Und wie alt bist du?", fragte er gerade heraus, um in diesem unsicheren Punkt Klarheit zu bekommen.
"Im Jahr ... in Heimen geboren", kam als knappe Antwort.
Jasmus glaubte nicht recht zu hören. Genau so alt wie er und auch noch im selben Ort zur Welt gekommen. Das war es wahrscheinlich, was ihn an diesem Mann so befremdete. Er war nicht gealtert. Das konnte nur vom Dahinvegetieren in einem solchen Wohnblock herrühren, zum Nichtstun verdammt. Mit seinem aufgeschwemmten Vollmondgesicht und den tapsigen Bewegungen wirkte er noch immer wie ein Kind.
Jasmus fiel wieder der Roman ein. Jeden Moment konnte etwas Grausiges geschehen. Er wusste, dass er daran nichts ändern konnte. Er könnte höchstens aufhören sich zu erinnern- Aber die Geschichte würde dadurch nicht gelöscht. Wenn es ihm dagegen gelang, sie wachzurufen, so würde ihn das Schreckliche nicht ganz so unerwartet treffen. Sie betraten das hohe Gebäude, in dem Jasmus wohnte und stiegen durch das schwach beleuchtete Treppenhaus hoch.
Das Verbrechen war ziemlich am Anfang verübt worden. Ansonsten hatte er den Roman als eher aufbauend in Erinnerung. Aber das war eine echte Tortur. Er erwartete, dass dieser Junge das Mädchen tötete. Aber wie? Im Geist sah er einen Schlagring vor sich. - Mit einem Schlagring? In seinem Beisein? - Grauenhaft. Wie würde er nachher vor ihre Eltern treten? Schweiß rann ihm von der Stirn. Ändern konnte er nichts.
Auf einer der Zwischenstufen machten sie Rast. Leute hatten alte Stühle und Müll hinterlassen. Er und das Mädchen setzten sich. Der Junge nicht, der ging weiter.
Nach einer Weile kam er zurück, ganz aufgeräumt, munter, wie ihm Jasmus nicht zugetraut hätte. "Ich habe in vier Sekunden..."
Was hast du?
Er drängte Jasmus ihm zu folgen. Er müsse unbedingt kommen.
Ihm war nicht wohl dabei. Vielleicht war das eine Falle, um ihn vom Mädchen wegzulocken. Andererseits wollte er ihm den Wunsch nicht abschlagen, da er so gut drauf war. Verändern konnte er sowieso nichts, der Roman war längst geschrieben. Vier Sekunden hörte sich nach einer super Zeit an. MLF

Und, ist das alles?, fragte ich verwundert. Sie sah mich auffordernd an, als wollte sie sagen: Du hast doch den Roman gelesen, erinnerst du dich nicht, Toni?
Nein, ich kannte ihn nicht. Und ich war sogar froh darum. Das Schreckliche war noch nicht eingetreten. Ich konnte mir eine schönere Wendung ausdenken. Zum Beispiel, dass der Junge durch eine Entdeckung, die er gemacht hatte, plötzlich gereift war und das Mädchen heil nach Hause kam. AS

Montag, 13. Februar 2012

10 Wie in einem Roman von ... i


Es gibt auch Momente, da mich Milis Gegenwart erschauern lässt. Die Vereinigung mit ihr in der Liebe wie ein finsterer Akt erscheint. Dieses Mal war es so.
Das ist die Geschichte, die sie mir danach erzählte.  AS

Von den Spaziergängen, die er gemacht hatte, an einem schönen Hang oberhalb eines Sees entlang, schloss er, dass es sich um Sipplingen handelte. Aber er war sich nicht sicher, weil er sich die ganze Zeit zwischen drei riesigen Gebäuden aufhielt, die eine Welt für sich bildeten. Das eine ein hoch aufragender, moderner Büro- und Wohnturm, in dem er hauste. Rechts daneben eine Kette von wuchtigen Wohnblöcken und davor ein älteres Gebäude, nicht so riesig wie die anderen beiden und dadurch etwas vertrauter wirkend.
Wenn man sich Jahr und Tag an einem eher unwirtlichen Ort aufhält, hat man mit der Zeit so seine Kniffs raus, wie man sich sein Leben etwas erleichtert. So hatte Jasmus auf der abgelegenen Seite des älteren Gebäudes eine Nische entdeckt, in der er einige Vorräte horten konnte. Chinakohl, Gemüse und ähnliche Dinge hielt er sich dort frisch.
Eines Tages, als er wieder nach seinen Schätzen schaute, sprach in der Mann an, der unterhalb des Verstecks seine Wohnung hatte. In komischer Weise, wie in einem schlechten Märchen.
"Was machst du hier eigentlich?", fragte er.
Es war irritierend, weil er es ja wissen musste. Er hatte ihn schon oft gesehen. Da Jasmus nicht gleich antwortete, lächelte der Mann einladend. Wohl um seiner Verunsicherung zu entgegnen. Da brachte Jasmus endlich hervor: "Hier hält es frisch. Das ist mein Kühlschrank." An diese Stelle schien die Sonne zu keiner Zeit des Tages hin.
Als Jasmus einmal an einem Nachmittag oder frühen Abend dahin kam, trat das Mädchen von diesen Leuten unterhalb aus der Tür und drängte darauf, ihn begleiten zu dürfen. Dem Alter nach mochte sie zwischen dreizehn und fünfzehn sein. Wahrscheinlich war sie gerade geschlechtsreif geworden. Sein Turm war ein eher unwirtlicher Ort. Was sollte sie dort. Aber da sie nicht nachgab, willigte er ein. "Okay, dann komm halt mit."
Sie waren erst ein paar Schritte gegangen, als von der langen Wohnfabrik her ein unförmiger Junge - oder war es ein Mann? - auf sie zukam. In irgendeiner Weise war er behindert, nicht stark, gerade so an der Grenze, jedenfalls nicht ganz normal.
"Ich möchte auch mit", bat er flehend, so dass Jasmus ihn nicht abweisen konnte. Das Mädchen rannte voraus und sie gingen hinter ihr her. Von da an, war Jasmus die Sache nicht mehr geheuer. MLF