Freitag, 10. Februar 2012

9 Schönheit mit flacher Brust


Am folgenden Tag hatte ich noch etwas anderes vor, als mich nur mit ihren Bildern abzumühen. An einer Feier bei einem Freund und seiner schönen Gemahlin wollte ich teilnehmen. Ich wusste, ich durfte mir die Vorfreude nicht zu sehr anmerken lassen. Sonst konnte sie mir leicht einen Stein in den Weg legen. Sie lag mit dem Rücken zu mir. Half mir aber mich von hinten einzuführen.
Dass sie Bescheid wusste, bemerkte ich an der Geschichte. Sie tat so, als sei diese ganz neutral - eines der vielen Bilder, die sie zufällig in der Ferne sah - dagegen erkannte ich die Geschichte als hochgradig manipuliert.  AS

Bei Alex zu Besuch, anlässlich seines Geburtstags. So richtig warm wird René mit den anderen Gästen nicht.In Anbetracht der vielen Besucher wirkt die Wohnung klein. Sie ist zweigeteilt. Im hinteren Bereich steht vor der Küche der Esstisch, um den die Gäste sitzen und an der Zwischenwand ein tiefes Regal, ausladend wie ein Bettgestell. Durchs Fenster sieht er den Südbahnhof. Es heißt, dass später eine Diashow gezeigt werden wird.
Das ausladende Regal ist voller Kleinkram. René entdeckt darin einige kleine Teller. Da fällt ihm ein, dass Alex über mangelndes Geschirr geklagt hat. Er sammelt die Tellerchen ein und trägt sie am Tisch vorbei zur Küchentheke. Dabei entwischt ihm eine spitze Bemerkung.
Geschirr hätte Alex genug, er müsste es nur einsammeln.“
Alle lachen, auch Alex. Doch sein Lachen wirkt etwas gezwungen. Da erst kommt René der Gedanke: Vielleicht hat sich Alex gewünscht, dass man sich zusammentut und eine Geschirrgarnitur schenkt. Darauf ist jedenfalls niemand gekommen. Auf dem Gabentisch stehen Geschenke im Format von Büchern und Pralinenschachteln und etliche Weinflaschen. Das nächste Mal!
Als René wieder ans Regal stößt, ist auf dem mittleren Boden, der nach oben viel Freiheit hat, eine Liegematte. Miranda, die schöne Gastgeberin ruht sich aus. Nach den ganzen Vorbereitungen ist ihr das wohl zu gönnen. Er setzt sich hoch auf die dünne Matratze. Muss seinen Kopf ein wenig einziehen, um nicht gegen das obere Brett zu stoßen. Sie plaudern zusammen. Miranda hat eine wohltuend tiefe Stimme. Er bemerkt, dass ihre Bluse offen ist. Ihre Brust ist ganz flach. Erschrocken schaut er zur Seite. Aber sein Blick wird wieder hingezogen. Ein sehr schöner Oberkörper, aber keinerlei Brustansatz. Also gibt es das doch. Vielleicht gerade bei besonders schönen Frauen.
Auch eines der Kinder ist da. Es sitzt auf einem Stuhl, ist eingenickt. Der Kopf lehnt hinten auf dem Regal.
Als er Miranda später bei der Tür trifft, trägt sie einen burschikosen Kaputzenpulli. Unwillkürlich zieht sie, als sie sich begegnen, den Reißverschluss hoch. Deutlicher Beweis, dass sie seinen Blick auf der Liegematte bemerkt hat.
René setzt sich wieder auf das zur Liege umfunktionierte Regalbrett und blättert in einem großen Fotoalbum. Dabei stößt der Umschlag versehentlich an den Kopf des Kindes. Es schreckt kurz auf, bleibt aber ihm Tran und nickt wieder ein.
Später steht René unschlüssig bei der Tür. Als Miranda kommt, fragt er. „Wie ist eigentlich der Zeitplan? Wann ist die Vorführung? Je nachdem würde ich nachhause gehen und später wiederkommen.“
Ach, bleib doch, das lohnt sich doch nicht. Es ist schon bald soweit", tönt es mit wohlklingender Stimme.
Da wird ihm auf einmal bewusst, dass er einen jungen Mann vor sich hat. Wahrscheinlich der Bruder der hübschen Gastgeberin. Nun ist die Langeweile weg. MLF

Donnerstag, 9. Februar 2012

8 Finanzierung durch Frauen

Neulich, in einem Augenblick des Zweifels, als selbst ihr schöner Körper meine düsteren Gedanken nicht zu vertreiben mochte, fragte ich sie, ob sie auf Staub empfindlich sei. Als sie fragte, wieso? Gestand ich ihr, dass wir vielleicht bald im Stroh liegen müssten.
Ihre Antwort folgt jetzt, einige Tage später. Sie hat ein Säckchen dabei. Sie berührt mein Geschlecht bis ich hart werde und besorgt es mir mit der Hand. Ich helfe nach, indem ich die ihre umfasse. Als ich zum Erguss komme, zieht sie schnell das Säckchen hervor und stülpt es mir über. Auf die Frage, wozu das gut sei, meint sie, ich solle es zur Samenbank bringen. Dafür könne ich Geld verlangen. Mir kommen die Tränen vor Lachen. Da weiß ich mal wieder, an ihr habe ich mehr als an allem … der Welt. Darauf erzählt sie mir die folgende Geschichte. AS

Im Halbdunkel einer großstädtischen Straßenschlucht wartet Jasmus mit dem Produzenten vor dessen Gebäude. Sein Chef steht unter massivem Druck wegen der Finanzierung eines riesigen Projekts. Ein hoher Beamter hat sich angekündigt, um über das Sponsoring zu sprechen. In einem Offroader – so groß hat Jasmus noch keinen gesehen – rauscht der Erwartete auf dem Vorplatz ein. Die Bremsen quietschen, die rechte Tür öffnet sich, ohne dass sie jemand angerührt hat. Der Chef eilt hin und steigt ein. Jasmus folgt ihm. Noch bevor er den Beamten erkennt, sieht er den Kopf seines Arbeitgebers auf das Armaturenbrett sinken. Was ist los? Was ist passiert? Erst jetzt sieht er, der Beamte ist eine Frau. Nicht gerade eine Schönheit, aber von starker Ausstrahlung. Das scheint sein Chef nicht erwartet zu haben. Deshalb wohl der Aussetzer. Sie redet auf ihn ein:
So sprechen Sie doch. Was ist Ihre Idee? Wie viel brauchen Sie?
Doch der Chef reagiert nicht. Er steht eindeutig unter Schock. Die zupackende Beamtin hilft Jasmus den nicht ganz leichten Produzenten aus dem Wagen zu holen. Er hat sich so weit erholt. Mit ihrer Unterstützung kann er laufen. Jasmus geht voran, hoch in dessen geräumiges, lichtdurchflutetes Appartement. Die Resolute führt den Chef ins Bad.

Jasmus rennt hin und her in der großen Wohnung und weiß nicht was er machen soll, ob er den Notarzt rufen soll oder was. Das ist genau das Gegenteil, von dem was der Chef erwartet hat, sagt er sich. Nicht an Fürsorge fehlt es ihm, sondern an Geld.
In kürzester Zeit muss sich seine Notlage herumgesprochen haben. Drei Frauen stehen im Raum. Dicht beieinander und ähnlich arrangiert wie die drei, die Paris einst gegenüber standen. Aber im Unterschied zu denen von damals, sind die drei ziemlich hager. Dafür sind sie mitfühlend, umsichtig und hilfsbereit. Die Umsichtige hält bereits ein Handy am Ohr und scheint um Hilfe zu rufen.
Kurz darauf treffen von der Tür auf der anderen Seite des weitläufigen Wohnraumes zwei weitere Frauen ein. Diese sind nicht nur sehr vornehm gekleidet, sondern auch üppig im Fleisch. Sie streben auf dem direktesten Weg auf die Polstergarnitur zu und setzen sich auf die weichen, hellbraunen Sessel.
Als Jasmus zu ihnen tritt, ist er betroffen von der Vornehmheit, die sie ausstrahlen und von der Güte in ihrem Blick. Sie teilen ihm sogleich den neusten Stand mit:
„Wir haben eine Kampagne gestartet“, verkünden sie in eifrigem aber würdevollem Ton.
„Was für eine Kampagne?“, fragt er verwundert.
„Eine Sammlung für …“
Das ist ja der Produzent, sein Chef. Er glaubt nicht recht zu hören. Diese Frauen haben eine Well-Fair Sammlung für seinen Chef gestartet. Wenn der das erfährt, wird er nochmal in Ohnmacht fallen und so schnell nicht wieder aufwachen. Was machen die beiden eigentlich im Bad?, schießt ihm nebenbei durch den Kopf.
Doch die Frauen lenken ihn ab. Sie haben einen Korb mitgebracht und weisen ihn mit Nachdruck darauf hin. Er wirft einen Blick hinein. Obenauf sieht er das Bild eines Mannes mit dunkler Sonnenbrille auf einer Dachterrasse. Dem Typ nach könnte es Frank Sinatra sein. Oh je, denkt er, ob damit Geld zu machen ist?
Doch langsam erfüllt ihn das gute Gefühl: diese Frauen werden es schaffen. Sie werden zu vielen hinkriegen, was sein Chef von einem Einzelnen bis dahin vergeblich erwartet hat. MLF

Mittwoch, 8. Februar 2012

7 Der große Schriftsteller ist tot


Obwohl ich die halbe Nacht wachlag, bemerkte ich nicht, wie Mili zu mir schlüpfte. Ich erschrak und glaubte ein toter Körper liege neben mir. Aber dann drehte sie mir den Kopf zu und lachte. Ich blieb bedrückt und fragte sie:
„Was ist es denn, was uns nachts wachhält?“
„Chommer ond Stouz“ (Kummer und Stolz), kam prompt von ihr.
Ich musste lachen. Nicht, weil ich, was sie sagte, so komisch fand, sondern weil es so fremd anmutet, wenn sie Schwizerdütsch spricht. Meistens trifft sie's nämlich nicht genau.
Dann berührte sie mich und ich wurde sofort fest. Nach dem Akt berichtete sie mir die folgende Story von Tommy.   AS

In einem Schuppen unterhalb der Ortschaft hält sich Tommy auf, als er es erfährt: „Der große Schriftsteller ist tot.“
Das darf doch nicht wahr sein. Jetzt haben die Kinder erst die Mutter verloren, und jetzt auch noch den Vater. Vor Schmerz lässt er sich auf den Boden fallen und windet sich auf dem feuchten Lehm, ob der Unbegreiflichkeit der Existenz. Er versucht sich die Kinder vor Augen zu rufen, kommt aber nur bis zum Ältesten, Franz. Oh, wie wird der sich die Haare raufen und den Eltern nachtrauern. Ich muss unbedingt zur Beisetzung, fährt ihm durch den Kopf. Also rafft er sich auf, rennt raus und ruft Georg nach, der mit dem Fahrrad schon oberhalb der Kurve, die sich um Tommys Schuppen zieht. „Holt mich ab. Ich möchte mit zur Beisetzung.“
Also, wir holen dich ab, kurz nach Mittag“, ruft der Freund zurück. „Aber mach dich schön und zieh dir was Ordentliches an.“
Das Leben in einem Schuppen ist unvergleichlich anstrengender als in einer Wohnung. Deshalb hielten ihn viele für einen Penner, seit er auf den Luxus verzichten musste. Aber wenn es darauf ankam, konnte er sich schon richten. Die Kleider aus besseren Zeiten hatte er in Plastik gehüllt aufgehängt, um sie vor der Witterung zu schützen. Da ist auch der Anzug mit dabei, den er zur Beisetzung seines Vaters getragen hat. Auf dem Gaskocher erhitzt er Wasser und mischt es in einem Plastikeimer zur richtigen Temperatur. Erst wäscht er sich die Haare, dann mit einem Lappen den Körper und schließlich die Rasur.
Du hast dich aber fein gemacht“, sagt Georg anerkennend, als er sich zu ihm hinten in den Wagen setzt.
Im Auto läuft das Radio. Es ist Radio drs. Tommy spitzt die Ohren, als die Nachricht kommt: „Ein großer Schweizer Schriftsteller“, hört er, „ein Ereignis vergleichbar, als Hermann Hesse in Montagnola starb.“ Und etwas später: „In der Stadt Mumbay, in der er einen beachtlichen Teil seines Lebens verbracht hat, sind, ihm zu Ehren, alle Museen frei zugänglich, heute.“
Im Friedental ankommen, sind sie noch zu früh dran. „Komm, wir gehn in die Kneipe“, sagt Georg, „ich lad dich ein.“
Tommy wehrt ab. Er will lieber ein paar Schritte gehen, um bei seinem verstorbenen Freund zu sein. Als er über einen Kiesweg an eine Kuhweide kommt, setzt er sich auf einen Grasbüschel und denkt nach. Das mit Bombay wundert ihn schon. Dass sein Freund eine so enge Beziehung zu dieser fremden Welt gehabt hat, ist ihm nicht bewusst gewesen. Von der schockierenden Nachricht, der langen Fahrt und einer schlechten Nacht im zugigen Schuppen überkommt ihn plötzlich eine bleierne Müdigkeit. Er legt sich zur Seite und fällt augenblicklich in einen tiefen Schlaf.
Als er erwacht, streift ihm etwas über die Wangen. Er nimmt einen Jungen war, der in jeder Hand eine tote Maus hält und sie ihm durchs Gesicht streicht. Tommy zürnt, aber er ist nicht in der Lage sich aufzurichten. Alles was er vermag, ist die rechte Hand zu heben. Die legt er dem Jungen um den Kopf, um ihn weg zu drängen. Dabei nimmt er ein Geschwür am Hinterkopf wahr. Eigentlich sollte ich mit diesem Jungen Mitleid haben. Einer, der alle nervt, wird gewiss nicht geliebt, sagt er sich. Die Frage, wie er sich dem Jungen gegenüber verhalten solle, erübrigt sich allerdings. Bis er endlich hochkommt, ist dieser längst verschwunden.  MLF

Dienstag, 7. Februar 2012

6 Modell eines Churchyards


Mili trägt das schlichteste Nachtkleid, das ich bis dato an ihr gesehen habe. Abgesehen davon, wenn sie gänzlich nackt erscheint, was auch vorkommt. Sie trägt ein weißes Nonnenkleid mit einem praktischen Schlitz vorne, der wohl nachträglich aufgetrennt wurde. Und eine weiße Haube. Den Kopf hält sie ganz ruhig, um die gestärkte Haube nicht zu zerknittern. Trotz Schlitz zieh ich es vor ihr Kleid hochzustreifen, ich will ihre Haut spüren und nicht diesen Stoff dazwischen haben. Nach dem Akt schiebt sie das Kleid artig wieder runter und beginnt zu berichten. AS


Ein tolles Modell eines alten Gebäudes, die Front einer Kirche mit Churchyard, entdeckte Sandro im Umfeld seines Arbeitsplatzes. Es hatte originale Größe, der Turm ausgeklappt fast acht Meter hoch. Die Ummauerung ließ sich ausfalten, sogar ein Toreingang gehörte dazu. In einem der historischen Gebäude, die den leicht geneigten Park nach unten abschlossen, hatte er das Modell entdeckt. Vor bald sechs Jahren hatte er eine Lagertätigkeit angenommen. Die Arbeit bereitete ihm Spaß und ihm gefiel das Gelände gut. Aber dennoch hatte er immer wieder Reisepläne gefasst, sie bisher aber nicht verwirklichen können. Dank diesem Fundstück, könnten sie bald Wirklichkeit werden.
Die einzige Sorge war, wie sie die Front der Kirche und den Turm stabilisieren konnten. Da entdeckte er, dass das Eingangsgewölbe ausziehbar war und Rita, seine Mitstreiterin, fand riesige Aufklebefolien, die die Stirnseite mit Torausschnitt optisch in Originalzustand versetzten und seitlich die vorragenden Teile in echte Mauern verwandelten.
Mit diesem Modell konnten er und seine ebenfalls hombsche (also lesbische) Mitstreiterin durch Europa touren, oder zumindest bis Spanien. Und überall, wo man ihnen nicht erlaubte in oder vor der Kirche zu sprechen (das war häufig der Fall) würden sie dieses originalgetreue Modell aufbauen und darin ihr Argument vortragen. Dass to love das erste Gesetz und dass es keines weiteren bedurfte, um ihre Liebe zum jeweilig gleichen Geschlecht zu rechtfertigen. Und was immer dagegen in heiligen oder unheiligen Schriften festgehalten war, Verirrung bedeutete, weil dies dem Gesetz von to love widersprach.
Rita half ihm die Aufklebefolien mit Haftstreifen zu befestigen, so dass sie für den Transport leicht entfernt werden konnten. Dabei sah er von der Leiter herab in der Nähe ein rundliches Mädchen mit einem vollen Korb. Er beobachtete, wie das Kind etwas aus dem Korb hervorholte, auf einen Bogen legte und auf seine Helferin richtete. „Pass auf!“, rief er und konnte so gerade noch verhindern, dass Rita getroffen wurde. Der Korb war voller Utensilien, vornehmlich winzige Pfeile, die mit wer weiß was für einem Gift getränkt sein mochten. Zur Strafe nahm er eines der Pfeilchen und pikste damit den nackten Oberarm des Bengelchens. Sofort schlief das Kind ein. Aha, Schlafmittel steckte also in den Spitzen. Sandro nahm das Mädchen auf den einen Arm und den Korb auf den anderen und trug es hoch in den Raum seines Chefs, der sein Büro im Erdgeschoss hatte.
Vielleicht weißt du, wo dieser Störefried hingehört.“
Der Chef lachte
Womit ich schon länger gedroht, muss ich jetzt wahr machen“, verkündete Sandro. „Ich werde im Frühjahr oder Frühsommer mit Rita – meiner Mitstreiterin - auf Tour gehen, für zwei Monate. Ich hoffe, du kannst die Zeit überbrücken. Weil, sonst müsste ich kündigen.“
Zuerst ein Riesengeschrei. „Jeder nimmt sich alle Freiheiten. Ich, der einzige, der sich um die Firma kümmert.“ Aber schließlich war er einverstanden. Mai und Juni, aber nicht länger. MLF

Montag, 6. Februar 2012

5 „Keine Aushilfen mehr“ j

...
Er schafft mit den beiden im Zimmer rechts vom Eingangsraum. Die Wände, die Decke, alles außer dem Boden ist noch unfertig. Tommy arbeitet auf dem breiten Gerüstbrett, das mitten im Raum, etwa in Brusthöhe liegt. Als er nach unten steigt, fällt ihm auf, dass Tinte auf den Boden getropft ist. Oh du Scheiße, wie ist denn das passiert? Der schöne glänzende Laminat-Boden ist verspritzt. Sogar die Wand hinten ist blau gepunktet. Nur die Anwesenheit der anderen hindert ihn daran laut loszupoltern. Scheiße, verfluchter Mist, verdammt noch mal, flucht er in sich hinein und stapft los, um Eimer und Lappen zu holen.
Der Kollege und die freundliche Frau Pehlke steigen auch von ihren Leitern, Feierabend.
Als er im Eingangsraum nach einem Lappen sucht, sieht er links im Raum den Chef noch über seinen Papieren sitzen. Er will weiter gehen, aber der Chef steht auf und sieht ihn streng an. Tommy erstarrt.
„Sie wissen, ich nehme keine Aushilfen mehr!“
Was soll das?, denkt er. Die beiden haben mich doch gerufen.

Dem Tor gegenüber geht’s hinunter in die Manufaktur. Dort unten werde ich wohl eher Lappen, Kübel und Wischer finden, sagt er sich und steigt hinab. Niemand ist mehr da. Zu seiner Verwunderung ist die Produktion weiter im Gange. Ein Schnurren, Rattern und Zischen, der dumpfe Fall von Gegenständen im immer gleichen Rhythmus sagt ihm, dass hier Automaten am Werk sind. Neugierig geht er näher. Es werden einfache Dübel sein, vermutet er. Aber nein, raffinierte kleine Räder sieht er aus der Maschine in einen großen Behälter fallen. Tommy ist beeindruckt und fragt sich, ob er nicht doch wieder im Maschinenraum unten arbeiten sollte. Den Werkstattleiter jedenfalls würde es freuen, dessen ist er sich sicher.
Er geht vor, zu sehen, was die nächste Maschine macht. Als die zwei Metallriesen sich plötzlich bewegen. Au, Scheiße, das sind Roboter, schon ist er eingeklemmt. Himmel, Satan, Teufel, er steht und kann sich nicht rühren. Die kalten Metallkörper umklammern ihn. Keinen Finger kann er mehr rühren.
Nachdem sich der erste Schreck gelegt hat, fängt er an zu zweifeln. Dass Roboter fies sind und ihn zu etwas zwingen wollen, das kann nicht sein. Da muss jemand anderes dahinter stecken. Ein solches Verhalten traut er nur seinem Chef zu, der ihn schon seit Jahren in der Zange hält. Und was diesen stört, weiß er, spätestens seit der Bemerkung, „ich nehme keine Aushilfen mehr!“ Also ruft er:
„Okay, ich geb den Job auf. Ab Morgen bin ich wieder voll dabei.“
Nichts rührt sich
„Ich schwöre es“
Unverändert
„Ich schwöre es hoch und heilig“
Endlich, die Ungetüme weichen zurück und setzen ihr Rattern fort. Na, wer sagt’s denn. Er schüttelt sich, reibt sich über den ganzen Körper. Nochmal mit dem Schrecken davongekommen.

Zuhause ruft er seine Mutter an. „Du Mama, könntest du mir mal wieder…? Nur einmal noch, wir sind jetzt kurz vor dem Durchbruch...“
„Junge, weißt du eigentlich, wie alt du bist?“
„Ich weiß, aber was soll ich machen? In unserem Beruf ist das halt so.“ MLF